Macht Platz fuer die Schweine

Schweine gelten in der Agrarindustrie als "Produkte". Die Haltungsbedingungen werden aus wirtschaftlichen Gruenden optimiert. Den Tieren verursacht die industrielle Massentierhaltung jedoch massive Schmerzen, Leiden und Schaeden. Der Deutsche Tierschutzbund und die Eurogroup for Animal Welfare starten daher zum Welttierschutztag eine europaweite Kampagne zum Schutz der Schweine.


Glücksschweine leben anders: Schluss mit der quälerischen Schweinehaltung

Die gängige industrielle Schweinehaltung ist nicht artgerecht. Sie widerspricht dem Tierschutzgesetz, dem zufolge ein Tier seinen Bedürfnissen entsprechend verhaltensgerecht untergebracht werden muss.
Die Stallungen werden jedoch so gebaut, dass die Landwirte möglichst wenig Arbeit haben. Schweine stehen daher auf Betonspaltenböden, durch die Kot und Urin hindurchfallen. Damit entfällt das Ausmisten. Es entsteht allerdings konzentrierte Gülle, die schädlich für die Atemwege von Mensch und Tier ist und sich außerdem schädlich auf die Umwelt auswirkt.
Millionen deutsche Mastschweine
vegetieren in engen, dunklen Ställen bewegungslos dahin. Dies führt dazu, dass sie unter Kreislaufschwäche, Gelenk- und Muskelkrankheiten, Druckstellen, Hautabschürfungen und Klauenverletzungen leiden.

Die Tiere bekommen keinen Auslauf. Suhl- und Scheuermöglichkeiten sind nicht vorhanden. Es gibt kein Material wie etwa Stroh, das zum Bearbeiten, Wühlen oder für den Nestbau geeignet wäre.
Die Langeweile ruft Verhaltensstörungen hervor wie "Stangenbeißen", "Trauern" (das Tier sitzt auf seinen Hinterläufen und lässt den Kopf hängen) oder "Schwanzbeißen" bis hin zum Kannibalismus.
Damit die Tiere ihre aufgestauten Aggressionen nicht aneinander auslassen und sich gegenseitig verletzen können, kupiert man ihnen prophylaktisch die Schwänze - anstatt die Ursachen für den Stress, die Haltung auf engstem Raum, zu beseitigen. Dies geschieht ohne Betäubung.

Sauen
werden, bis auf wenige Wochen im Jahr, einzeln in Kastenständen gehalten, die so eng sind, dass sich die Tiere nicht einmal umdrehen können. Die Tiere werden frustriert. Sie sitzen teilnahmslos da oder beißen an den Gitterstäben ihrer Behausung herum. Auch die Abferkelbucht bietet den Tieren keine besseren Bedingungen. Die Muttertiere sind fixiert, damit sie sich nicht auf ihre Ferkel legen. Völlig unberücksichtigt bleibt hierbei, dass Sauen das Bedürfnis haben, ein Nest für ihre Ferkel zu bauen, wie es ihrer Natur entspricht. Dadurch, dass sie sich überhaupt nicht bewegen können, werden sie häufig krank. Eine direkte Folge davon ist der MMA-Komplex, eine äußerst schmerzhafte Euter- und Gebärmutterentzündung, die mit Milchmangel einhergeht.



Ferkel
werden routinemäßig gequält. Bis zum Alter von 4 Wochen dürfen Ferkel dem deutschen Tierschutzgesetz zufolge ohne Betäubung kastriert werden. Dazu wird das Ferkel kopfüber in eine Apparatur geklemmt. Seine Beine werden auseinander gespreizt und fixiert. Die zarte Haut, die die empfindlichen Hoden des kleinen Ferkels schützt, wird mit einem Messer aufgeritzt, die Hoden werden herausgezogen und mit dem Messer abgeschnitten. All dies geschieht im Akkord und in der Regel unter entsprechend grober Handhabung der Tiere. Frisch kastrierte Ferkel zittern am ganzen Leib, müssen sich häufig auch übergeben. Da der Eingriff von Laien und oft unter hygienisch nicht einwandfreien Bedingungen durchgeführt wird, kommt es im Nachhinein häufig zu Infektionen. Es steht außer Frage, dass die Ferkel während und nach der Prozedur große Schmerzen erleiden.

Die Kastration könnte mit Betäubung durchgeführt werden. Doch aus wirtschaftlichen Gründen wird dies unterlassen.

Nach dem Absetzen von der Mutter (3. bis 5. Lebenswoche) kommen die Ferkel bis zum Alter von 10 bis 15 Wochen (25kg Gewicht) in den Ferkelaufzuchtstall. Häufig werden die Tiere gruppenweise in Flatdecks gehalten. Das sind Drahtkäfige mit einem 2 - 3 qm Lochboden. Pro qm sind darin 4-5 Ferkel untergebracht. Flatdecks können bis zu 3 Etagen übereinander gestapelt werden, man spricht dann von einer Ferkelbatterie.


Macht Platz fuer die Schweine.

Um Verbesserungen fuer die 40 Millionen Schweine in Deutschland zu erzielen, macht der Tierschutzverein Menschen helfen Tieren Worms e.V. anlaesslich des Welttierschutztages am 4. Oktober, dem Tag des Heiligen Franz von Assisi - Schutzpatron der Tiere - mobil.

Ziel ist es die Oeffentlichkeit ueber die tierquaelerische Haltung von Schweinen zu informieren. "Die Tiere leiden unter den tierquaelerischen Haltungsbedingungen. Nicht einmal ihre Grundbeduerfnisse werden befriedigt", kritisiert die Vorsitzende des Tierschutzvereins Menschen helfen Tieren Worms e.V. Gegenwaertig steht ein Entwurf zur Schweinehaltungsverordnung im Bundesrat zur Diskussion. "Dieser Entwurf geht nur wenig ueber die von der EU festgelegten Mindeststandards hinaus. Und selbst das geht vielen Politikern und Agrarlobbyisten noch zu weit", erlaeutert die 1. Vorsitzende. "Daher gilt es jetzt aktiv zu werden, um fuer die Zukunft bessere Haltungsbedingungen fuer Millionen Schweine zu erwirken."

Mit rund 40 Millionen Schweinen pro Jahr ist Deutschland in der EU einer der Spitzenreiter bei der Erzeugung von Schweinefleisch. Um moeglichst kostenguenstig produzieren zu koennen, werden die arteigenen Beduerfnisse der Tiere ignoriert. Sie haben keinen Platz und kein Tageslicht, ihnen stehen weder artgerechte Beschaeftigung noch artgemaesses Futter zur Verfuegung. Ausserdem haben sie keine Moeglichkeit Liege- und Kotplatz von einander zu trennen. Von der Geburt bis zum Tod sind die Tiere grausamen Schmerzen ausgesetzt. Wenige Tage alten Ferkeln werden die Eckzaehne abgeschliffen und die Ringelschwaenze abgeschnitten - ohne Betaeubung. Ebenfalls ohne Betaeubung werden maennlichen Ferkeln die Hoden abgeschnitten, weil man vermutet, dass die Verbraucher in Deutschland kein Eberfleisch essen wuerden. Danach folgt die Mast auf Vollspaltenboeden. Die Tiere sind in den beengten Verschlaegen fast zur Bewegungslosigkeit verdammt. Durch die nicht artgerechte Haltung entwickeln die intelligenten und neugierigen Schweine starke Verhaltensstoerungen.

Letztes Jahr wurde der Tierschutz in die Verfassung aufgenommen. Jetzt muss der Gesetzgeber auch den daraus resultierenden Auftrag annehmen und umsetzen. Die entsetzlichen Bedingungen der industriellen Schweinehaltung sind nicht tiergerecht und widersprechen sowohl dem Tierschutzgesetz als auch dem Staatsziel Tierschutz. Wir fordern daher eine tier- und artgerechte Haltungsvorschrift fuer Schweine.

Daher stehen zwei Forderungen im Zentrum: Da Schweine Verhaltensweisen aus verschiedenen Funktionskreisen an verschiedenen Orten ausfuehren, muss jede Bucht so strukturiert sein, dass Liege-, Aktivitaets- und Kotbereich voneinander getrennt sind. Unter natuerlichen Bedingungen sind Schweine viele Stunden des Tages damit beschaeftigt, ihr Futter zu suchen. Den Tieren muss deshalb geeignetes Material zur ganztaegigen Beschaeftigung zur Verfuegung stehen.


Das koennen Sie ausserdem tun:

Schraenken Sie Ihren Fleischverbrauch stark ein und greifen Sie vermehrt auf Getreide

und Milchprodukte zurueck.

Informieren Sie Mitmenschen ueber tierquaelerische Haltungsbedingungen, so dass

auch sie umdenken und dieses minderwertige und gesundheitsschaedliche Fleisch

boykottieren.

Wenn Sie nicht ganz auf Schweinefleisch verzichten moechten, achten Sie beim Kauf

darauf, dass es von Betrieben stammt, die ihre Tiere artgemaess halten. NEULAND-

Betriebe und in Zukunft auch alle Biobetriebe halten ihre Tiere mit Auslauf und Einstreu.

Fragen Sie im Supermarkt gezielt nach Schweinefleisch aus artgerechter Haltung.

Quelle: du und das tier 4/2000

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