Die Tiere der Güterhallenstrasse


12.07.02 - Der Anfang +++ Das Leiden der Tiere in der Güterhallenstraße in Worms hat ein Ende ! +++ Verurteilung von Dimitar Dimitrov

Ehemaliger Besitzer der Tiere aus der Güterhallenstrasse stellt sich


12.07.02

Es ist eine Schande!

Auf einem Gelaende, mitten in Worms, werden seit Monaten in Zirkuswagen Paviane, 2 Liger ( Kreuzung zwischen Loewe und Tiger sowie 1 Mandrill gehalten. Erst durch Anrufe von Anwohnern wurden wir auf diese tierquaelerische Haltung aufmerksam gemacht. Wir informierten das zustaendige Amt fuer Umwelt und den Veterinaer. Ponys, die auch dort abgestellt waren, wurden zwischenzeitlich anderweitig untergebracht. Da mit diesen Tieren weder aufgetreten, noch gearbeitet wurde, greifen nicht die Auflagen der Zirkusleitlinie, sondern die des Saeugetiergutachtens. Wie lange wird dieser Zustand wohl noch geduldet werden?

Die Welt ist in Ordnung! Den Tieren in der Güterhallenstraße geht es gut! Monatelang saßen sie unter katastrophalen, gegen jede Tierhaltung verstoßenden Umständen im Elend. Erst nach wochenlangem Tauziehen, wurden die Mindestanforderungen in etwa erreicht. Ein, zwei Tage bevor die Frist ablief. Tierschützer und Tieerfreunde, die dieses Elend anprangerten wird Unglaubwürdigkeit attestiert. Sicher ist es unbequem auf Misstände hinzuweisen. Verständnis wird verlangt, dass Behördenwege eben langwierig sind. Das der Mandrill nach wie vor in Einzelhaft sitzt, wenn auch nun mit Aussengehege ist vorerst nun mal nicht zu ändern. Vielleicht wird er mit einem armen anderen Mandrill irgendwann dieses Elend teilen, statt in einem gut geführten Zoo vor den Augen der Öffentlichkeit ein besseres artgerechteres Leben führen zu dürfen. Ein Mandrill kann in Gefangenschaft bis zu 46 Jahre alt werden. Diese Affenart lebt in Gruppen von 15 - 50 Tieren. Sie sind gesellig und schließen sich immer wieder zu Großverbänden zusammen. Laut roter Liste der Internationalen Union für Naturschutz zählen sie zu den stark gefährdeten Tieren. Was hat dieser arme Mandrill, der monatelang nicht mal ein Aussengehege hatte, verbrochen, dass er sein Leben einsam und in Einzelhaft auf einem Abstellplatz fristen muss? Unterbringungsmöglichkeiten für dieses Tier sind wohl zu finden, wenn man sich die Mühe der Beschlagnahmung machen würde.

Wir konnten uns nicht über die geänderten Haltungsbedingungen bei den Ligern überzeugen. Uns bleibt der Zutritt verwehrt. Wer glaubt hier noch allen Ernstes, dass bei einem neuen Standort die Tiere den Vorschriften entsprechend gehalten werden?! Monatelang saßen sie entgegen den Haltungsvorschriften in ihren Wägen und dem Besitzer war wohl bekannt welche Haltungsbedingungen für diese Tiere notwendig sind. Wurden sie von ihm eingehalten? Nein - erst nachdem die Haltung aktenkundig wurde, änderte sich etwas.

Am 17.5.2002 wurde die Verankerung des Tierschutzes in die Verfassung beschlossen. Die allgemeinen auf das Tierschutzgesetz gestützten Grundsätze der Tierhaltung gelten uneingeschränkt auch für diese Tiere.

Die Bösen sind nicht die Halter, die Bösen sind die, die über dieses Elend nicht schweigend hinwegsehen.


Das Leiden der Tiere in der Güterhallenstraße in Worms hat ein Ende !

Nachdem der Besitzer der Tiere in der Güterhallenstraße erneute Auflagen der Behörden bekam, versuchte er am Samstag, den 2.11.02 die Tiere wegzuschaffen.Anwohner verständigten uns und so konnten wir erfolgreich den Abtransport der Tiere verhindern, bis Polizei und Umweltamt erschien. Die Tiere wurden beschlagnahmt und ein durch die Feuerwehr aufgestellter Container blockierte die Ausfahrt. Am 4.11.2002 wurden die Tiere endlich befreit und auf bundesweit verteilte Stellen in Sicherheit gebracht. Tierschützern und Behörden bot sich ein Bild des Jammers. Der Besitzer hatte den ursprünglichen Tierbestand um weitere Tiere erweitert. Hirsche, Ziegen, Schwäne, Emus, Stachelschweine, Präriehunde, Kängurus kamen zu den bereits vorhandenen Ligern, Paviane und dem in Einzelhaft vegetierenden Mandrill hinzu. Ein Liger hatte erhebliche Schäden an den Zähnen und war stark abgemagert, da er kaum noch fressen konnte. Der Mandrill hatte ein entzündetes Auge, Vereiterungen am Kiefer, seine Füße zeigten Verletzungen und man sah das rohe Fleisch. Auch bei den Pavianen wurden Verletzungen festgestellt. Die Kängurus konnten am 4.11.02 nicht in Sicherheit gebracht werden, da sie nicht mehr da waren. Wo diese Tiere verblieben sind ist unbekannt.


+++

Eintreffen der Polizei am 2.11.2002 ++++++++++++++++++ Abtransport der Paviane am 4.11.2002


Lebensraum der Mantelpaviane über Monate


++++


Die Paviane sind momentan noch in ihrem alten Gehege untergebracht, bis sie an ihren endgueltigen Platz uebersiedeln


++++


Der Zirkusunternehmer D. Dimitrov wurde vom Amtsgericht Worms zu einer Geldstrafe von 6.300 Euro verurteilt. Damit blieb der Richter zwar deutlich unter dem Antrag der Staatsanwältin, das Gericht sah aber gleichzeitig eine hohe Schuld des Angeklagten als erwiesen an. Dimitrovs Verteidigerin kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen Sollte das Urteil rechtskräftig werden, gilt D. als einschlägig vorbestraft,und ihm wird somit die Erteilung einer Genehmigung zum Betreiben einer Tierschau verwehrt werden. Reue zeigte Dimitrov nicht, obwohl etliche Tiere durch sein Unvermögen dies mit ihrem Leben bezahlen mussten.


Zufrieden ist der Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbundes über den Ausgang des Gerichtsverfahrens um den Zirkusunternehmer Dimitar Dimitrov.
Andreas Lindig, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz, weist darauf hin, dass Leben und Wohlbefinden der Tiere seit dem 01.08.2002 in Art. 20a GG besonders geschützt ist. Leider sei der Tierschutz als überragender Gemeinwohlbelang seit dem Inkrafttreten der Verfassungsänderung noch längst nicht bei allen Behörden und Gerichten registriert und umgesetzt worden.
„Umso anerkennenswerter ist es, dass sowohl die Veterinärbehörden in Worms als auch die besonders umsichtige Verhandlungsführung von Richter Ernst Guleritsch dazu beitrugen, die zugefügten Quälereien nachzuweisen“. Mit der Verhängung einer Geldstrafe von 6.300 Euro (180 Tagessätzen à 35 Euro), blieb Richter Guleritsch zwar noch deutlich unter dem Antrag der Staatsanwältin, die eine fast doppelt so hohe Geldstrafe gefordert hatte. Gleichwohl zeigt die Anzahl der verhängten Tagessätze, dass das Gericht eine hohe Schuld des Angeklagten als erwiesen ansah.
Von Unrechtsbewusstsein oder gar Einsicht beim Angeklagten jedoch keine Spur. Angesichts der Beweislage und der Tatsache, dass etliche Exoten diese „artgerechte“ Behandlung mit ihrem Leben bezahlten, erzeugt die Ankündigung der Verteidigerin, gegen das Urteil Berufung einzulegen, nur Kopfschütteln.
Einziger Wermutstropfen: das vom Deutschen Tierschutzbund in seiner Strafanzeige geforderte Tierhalteverbot wurde nicht ausgesprochen. Sollte das Urteil jedoch rechtskräftig werden, gilt Dimitrov als einschlägig vorbestraft, ein Fakt, der ihm die Erteilung einer zum Betrieb einer Tierschau erforderlichen Behördengenehmigung unmöglich machen dürfte.


Ehemaliger Besitzer der Tiere aus der Güterhallenstrasse stellt sich

Wie die Wormser Zeitung am 18.10.05 berichtet, hat sich der seit Monaten untergetauchte ehemalige Besitzer der Tiere aus der Güterhallenstrasse, Heiko Günther, der Polizei gestellt. Es liegen Anklagen wegen Raubes, Erpressung und Nötigung gegen ihn vor. Wegen in Umlauf gebrachten Falschgeld wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Juli 2005 erging Haftbefehl gegen ihn, worauf Heiko Günther untertauchte. Am Freitag, den 14.10.05 stellte er sich den Behörden. Seine Künstler-Agentur "Feine Gesellschaft", gehört inzwischen Dimitar Dimitrov, dem Halter der Tiere aus der Güterhallenstrasse. Dieser wurde 2004 vom Amtsgericht Worms zu einem Bussgeld in fünfstelliger Höhe, wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz verurteilt.