Emil ist tot

Vor fast zwei Jahren kam Emil zu uns. Er war krank und konnte seine Hinterbeine nicht benutzen. Seine Besitzer gingen erst vier Wochen nach seinem angeblichen Unfall zum Arzt. Emil hatte auch keine Kontrolle über seinen Kot-und Urinabsatz, aber wir wollten nichts unversucht lassen, diesem jungen Tier zu helfen. Wir ließen ihn röntgen, er bekam Magnetfeldtherapie, Medikamente – nichts half. Unser Tierarzt entschloss sich dann zur Elektroakupunktur und Emil begann kleine Fortschritte zu machen. Erst konnte er ohne Hilfe sitzen, dann robbte er überall dahin wo er wollte. Er kletterte auf die Kratzbäume und kam ohne fremde Hilfe wieder hinunter. Er bekam Gespür in seine Hinterbeine und wir waren voller Hoffnung. Nur die Katzentoilette, die benutzte er nicht. Er wurde regelmäßig gebadet, täglich wurden die Decken gewechselt, die Waschmaschine war im Dauereinsatz. Emil war ein besonderer Kater! Jeden Menschen der in den Raum kam, begrüßte er mit Schmusen. Er rieb sein Köpfchen und schnurrte unentwegt. Aber auch mit den anderen Katzen, die bei ihm lebten, war er etwas Besonderes! Jedes junge Kätzchen wurde von ihm angenommen, wie oft kam ich in das Zimmer und die Kleinen lagen eng an ihn gedrückt in seinem Körbchen! Er war ihre Sicherheit und hat bei jeder Katze die Vaterrolle übernommen. Seine Kinder liebten ihn und er hat sie fürs Leben fit gemacht! Hat vielen geholfen ihre Angst vor uns Menschen zu

nehmen. Emils Beine verknoteten sich nicht mehr wenn er versuchte aufzustehen. Emil hatte Darmprobleme, die wir aber mit teurem Spezialfutter ganz schnell in den Griff bekamen. Da aber bei ihm mehrere Katzen lebten und das Futter immer bereit stand, kamen auch die anderen Katzen in den Genuss dieses leckeren Essens. Er versuchte immer öfter zu stehen und als ich eines Tages ins Zimmer kam und Emil stand strahlend auf allen vier Pfoten vor mir, dachte ich nur, jetzt schaffen wir es! Man musste ihn einfach nur lieb haben und die Arbeit, der Geruch alles wurde zur Nebensache. Es wurde ja auch immer besser. Emil war trotz seiner Behinderung ein glücklicher Kater. Wenn er etwas wollte, was er nicht konnte, dann arbeitete er daran. So lange, bis er erreichte was er sich vorgenommen hatte. Wie sonst, hätte er all die Fortschritte gemacht, wenn er nicht so einen eisernen Willen gehabt hätte. Ich habe in diesen fast zwei Jahren nicht einmal gehört, dass er geknurrt hätte. Emil war ein Sonnenschein und er gab diese Sonne an Mensch und Tier weiter. Wir haben nicht einmal darüber nachgedacht ihn einzuschläfern und dass er keine Vermittlungschance hatte, war uns allen klar. Das einzige, dass wir wollten war, zusammen alt zu werden und wir wir hatten ja noch jede Menge Zeit – glaubten wir jedenfalls.

Eines Tages fand ich Emil an seiner Futterschüssel. Er aß, langsam, genüsslich und stand die ganze Zeit auf seinen vier Pfoten. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, aber immer häufiger aß er im Stehen. Die Hoffnung wuchs, dass er doch noch eines Tages wieder laufen kann. Hielt man ihm am Schwanz, ganz leicht nur, lief er ohne dass sich seine Hinterbeine verknoteten und er darüber fiel. Wir waren alle sehr glücklich und voller Optimismus.
Doch am 13.2.2011 brach unsere Welt zusammen. Als ich Emil wie jeden Tag säuberte, sah ich dass er einen Penis-Vorfall hatte. Er kam nicht aus seinem Körbchen, aß nicht und ich wusste, dass wir verloren hatten. Sicherlich hätte man eine Penis-OP machen können. Man hätte ihm einen falschen Ausgang gemacht und vielleicht wären die Wunden auch verheilt.

Es ist nicht leicht, die Entscheidung über Leben und Tod zu treffen, schon gar nicht, wenn man ein Tier so liebt, wie ich und all die ihn kannten ihn liebten. Aber gerade deshalb haben wir ihn einschlafen lassen. Es war mit eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens.



Emil ist von uns gegangen. Er starb in meinen Armen und bei seinen Kindern die ihn genau so liebten wie er sie.

Ich habe ihm versprochen, dass er wenn er wieder erwacht, mit seinen vier Beinen laufen kann.
Dass er auf Bäume klettern und mit all seinen Brüdern und Schwestern umher tollen kann. Und ich glaube auch fest daran!